Am letzten Wochenende wurde ich durch einen Artikel im Ostsee Anzeiger, einer regionalen Sonntagszeitung für Rostock und Umgebung auf ein weiteres BIO-Thema aufmerksam. Das “BIO-Haus”. Was ist das eigentlich, fragte auch der Artikel. Gemäß dem Ostsee Anzeiger warnte der VPB, Verband privater Bauherren e.V. vor Bezeichnungen wie “BIO-Haus”. Es gebe keinerlei gesetzliche Definition für solche Bezeichnungen. OK, das mag ja sein. Ich versuchte also, dieser und ähnlicher Bezeichnungen auf den Grund zu gehen.
Zu aller erst stellte ich fest, dass es jetzt Ausweise für Häuser gibt. Amtlich ausgestellt beispielsweise von Bauingenieuren, Architekten, Schornsteinfegern. Auch für ältere Häuser ist das mit der neuen Energieeinsparverordnung EnEV seit 1. Oktober 2009 Pflicht. Der Ausweis gibt Auskunft über den energetischen Zustand des Hauses. Es werden ggf. Maßnahmen zur Modernisierung vorgeschlagen, die zur Senkung des Energieverbrauches des Hauses führen. Es gibt zwei Arten des Ausweises, den Bedarfs- und den Verbrauchsausweis. Der Bedarfsausweis wird anhand der technischen Anlagen (Isolierung, Heizungsanlage) erstellt. Der Verbrauchsausweis hingegen zeigt den individuellen Verbrauch der Bewohner/ Nutzer des Hauses als Mittelwert der letzten drei Jahre. Beide Ausweise sind, einmal ausgestellt, zehn Jahre gültig. Im Hinblick auf die Energieeffizienz einer Immobilie bringen beide Ausweise eine gewisse Vergleichbarkeit für Käufer oder Mieter.
Eben habe ich bereits die Energieeffizienz erwähnt. Und scheinbar gibt es nur hierfür gesetzliche Richtlinien und eine offizielle Bezeichnung: Niedrigenergiehaus. Ein Niedrigenergiehaus hat einen Heizwärmebedarf von etwa 40-79 Kilowattstunden pro Quadratmeter und pro Jahr (bei den genauen Zahlen gibt es auf verschiedenen Seiten unterschiedliche Angaben). Unter anderem der TÜVRheinland spricht des Weiteren vom 3-Liter-Haus. Der Name 3-Liter-Haus ist laut Wikipedia eine Aussage für Verkaufsverhandlungen mit dem zukünftigen Bauherren. Im Bezeichnungsdschungel eher ein optimistischer Richtwert. Dieses Haus hat einen Heizwärmebedarf von 30 kWh pro qm pro Jahr. Dies entspricht ungefähr 3 Litern Heizöl pro qm pro Jahr. Das dritte der Energiesparhäuser ist das Passivhaus. Es hat einen Heizwärmebedarf von 15 kWh pro qm pro Jahr. Diesen geringen Bedarf hat es, weil es äußerst gut gedämmt ist und mit Frischluft “geheizt” wird. Diese Frischluft wird über einen Erdreich-Wärmetauscher erwärmt und dann in das Haus geführt. Das Passivhaus ist eine Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses.
Für die Bezeichnung “BIO-Haus” bedeutet das also, wie der VPB es nennt, reißerisch. Dieses Ergebnis finde ich persönlich recht schade und einseitig, nur weil es (noch) keine gesetzlichen Normen gibt. Es gibt neben der Energieeffizienz für viele Bauherren noch andere wichtige Gesichtspunkte. Mir fallen da zum Beispiel die Baustoffauswahl ein, die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, die Belastung mit unerwünschten aber noch erlaubten Stoffen und eventuell die Wahl regionaler Bauunternehmen, um die eigene Region zu stärken. Wenn also jemand ein “BIO-Haus” kauft oder bauen lässt und
- hierbei gänzlich recycelbare Werkstoffe zum Einsatz kommen,
- die vier Wände mit natürlichen Dämmstoffen befüllt werden,
- sämtliche anderen Baumaterialien die Umwelt schonend gewonnen wurden und
- es sich obendrein um ein Energie produzierendes Passivhaus handelt,
kann es auch gern “BIO-Haus” heißen. Warum auch nicht, wenn die Qualität stimmt.
Ein Bauprojekt sollte heute meiner Meinung nach durch und durch nachhaltig sein. Wer sich mit dem Gedanken trägt, zu bauen, hat im Vorfeld demnach vieles zu bedenken und zu prüfen.








