Bummel über die BioFach 2012 und Bloggertreffen

Ankunft

Nürnberg Messe - Eingang Mitte Nach einer Zugfahrt in einem – ich sage mal – nostalgisch anmutenden Nachtzug, der mir, wider erwarten, ein sehr bequemes Nachtlager bot, lag ich ab 4 Uhr am Donnerstag für ein paar Stunden in der Lobby des Ho(s)tels auf der Couch. Man(n) braucht ja doch ein wenig Schlaf. Nach dem Frühstück fuhr ich mit der U1 Richtung Messe. Am Eingang Mitte der NürnbergMesse traf ich den, wie immer leicht exzentrisch wirkenden @wurstsack – ist ganz ehrlich ganz doll lieb gemeint, @wurschdwilly und dessen Freundin. Die drei planten – wie sollte es anders sein – eine BioFach Wursttour durch die Hallen. Da ich mit Fleisch seit ein paar Jahren nichts mehr anfangen kann/will, trennten sich hier schon unsere Wege. Aber abends auf dem Bloggertreffen sollten wir uns nochmals sehen. Außer zwei Vorträgen zu Social Media im Kongresszentrum und einem FairTrade XING Gruppen Treffen hatte ich tags keine Termine und so konnte ich einfach durch die Hallen tingeln.

Zugabteil im Nachtzug

Bummel – Grummel

BIO und Organic waren die Schlagworte auf den Plakaten, den Aufstellern und Flyern. So resümierte auch Klaus Rostek am Abend. Dies war zwar nicht überraschend, aber mit dem offensichtlichen zu werben, auf der größten BIO-Messe Europas, hm?! Nun gut.
Convenience Überall! Fertiggerichte, Pulvermischungen, hippe Getränke. Und während Autos seit Jahren durch BLUE mehr GRÜN erscheinen sollen, werden ökologisch vertretbare, nachhaltige Produkte mittlerweile „grün glänzend lackiert“. Hierüber regte sich nicht nur Sina Trinkwalder wohl am Mittwoch in einem Vortrag zum Thema Marketing auf, als dies dort unverhohlen als der Weg verkündet wurde, neue Zielgruppen zu „erreichen“.
Leute, fertige(!) BIO-Eierkuchen in dicker Plastikfolie, seriously? Tofu-, Soja- und Weizeneiweiß-Wurstnachbildungen, die weder im Biss noch im Geschmack ihren fleischhaltigen Pendants nahe kommen. Giftgrüne Schokolade, weiße Schokolade „gefärbt“ mit einem Extrakt aus Grünem Tee, „… weil die Farbe angesagt ist.“ Wörtlich! Mit der Angel gefangener Thunfisch – haaallo McFly, einer zu Hause? Von @wurstsack Hendrik Haase und @wurschdwilly tags zuvor bei den Innovationen entdeckte Folienbeutel mit flüssigem BIO-Spätzleteig. Innovativ? Ja, ja, total, denn im Boden der Tüte waren Löcher, die man durch Abreißen eines angebrachten Folienstreifens öffnen konnte. Durch diese Löcher kann man dann den Teig ins kochende Wasser pressen. Yeah! Plakate auf denen Süßigkeiten – ja, Süßigkeiten(!) – auf der Liste der Grundnahrungsmittel stehen, an erster Stelle! BIO-Produkte in Plastik-, Alu- und Weißblechverpackungen. Convenience mit „Hefeextrakt“ und „Gewürze“ in der Zutatenliste, beides ohne das Bio-Sternchen*. „Versteckte“ Geschmacksverstärker! Lt. Gesetz – super!
Liebe BIO-Industrie, ihr wundert euch über Menschen, die sagen: „Alles Betrug!“? Vertrieb! Darum geht es. Kaum noch darum, die Welt zu verbessern oder lebenswert zu erhalten. Waren „an den Mann bringen“.
Ich kann Benjamin gut verstehen, der mir schrieb, er würde, wenn überhaupt, nur wegen der Blogger am Abend kommen, da er von der letzten BioFach zu enttäuscht war.

Pah, Authentizität. Durchatmen!

Social Media I

Podiumsdiskussion zum Thema "Social Media in der Bio-Branche" Um 12h begann die Podiumsdiskussion zum Thema Social Media in der Bio-Branche. Herwig Danzer moderierte die Runde und fragte zu Beginn Podium und Publikum, wer alles bei Facebook ist, twittert, bloggt, Google+ und den neuen Dienst Pinterest nutzt. Die Zahl der Nutzer nahm von Dienst zu Dienst ab. Aber ein paar gab es, die bei allen Diensten sind.
Kirsten Brodde sprach über ihre Anfänge des Bloggens und ihre Gründe dafür. Vor allem aber über ihren Umgang mit dieser Art der Kommunikation. Darüber, dass man nicht alle negativen Kommentare an sich persönlich heran lassen darf, dass man sich zu Beginn (und auch später) helfen lassen soll, wenn man nicht weiter kommt. Für mich zeigte sich wieder, dass das Internet keine pöse Parallelwelt zum so genannten realen Leben ist. Das Internet ist einfach nur ein Teil dieser Welt. Eine Art zu kommunizieren. Es gilt hier all das, was auch sonst gilt. Wenn dir jemand persönlich zu nahe tritt, sag’s. Wenn du Hilfe brauchst, raus damit. Und wie im realen Leben gilt auch, sei dabei höflich und möglichst wenig penetrant. 😉
Michael Wenzl beschrieb die positiven Auswirkungen des Internets auf sein Arbeitsleben, durch die Möglichkeiten weltweit vernetzt arbeiten zu können. Er sagte, man solle in Unternehmen keine Scheu haben in Social Media aktiv zu werden. Man solle sich nur unbedingt vorher(!) Gedanken machen, was man erreichen will und sich dann an diese Ziele halten. Man braucht auch keine Angst haben, dass da jemand z.B. etwas diffamierendes oder rechtswidriges spät nachts oder am Wochenende auf der Facebook Fanpage des Unternehmens postet und man als Unternehmer generell dafür „haftet“. Es ist OK, wenn man sich darum kümmert sobald es einem gewahr wird. Selbst oder durch Hinweis Dritter. Dann aber sofort! So, don´t panic!
Weiters wurde von Hannah Winkler von Mohrenfels, Oliver Scheiner und Pieter van Midwoud der Kundenmehrwert durch Aktivitäten von Unternehmen in Social Media beschrieben und belegt. Dadurch, dass Kunden die Möglich haben, das Unternehmen direkt zu kontaktieren und Fragen, Anmerkungen und auch Frust loszuwerden, erhält aber auch das Unternehmen endlich direkt und oftmals live Feedback darüber, wie Produkte, Kampagnen und andere Maßnahmen beim Verbraucher ankommen. Diese Informationen sind unbezahlbar.

Social Media II

Franziska Schmid, Frans Prins, Markus Beck und Enrico Rima standen Interessierten Rede und Antwort zu ihrem Umgang mit den neuen Medien. Sie sprachen über (fast) absolute Transparenz bei ihrem werken als Unternehmer. „Alles außer Geschäftszahlen“ sagte Markus. Ihr sehr aktiver Umgang mit negativen Nachrichten brachte bisher nur positive Rückmeldungen und Verständnis von den Kunden ihrer Unternehmen. Meine und ihre Ansichten decken sich sehr. Wie oben schon erwähnt, das Internet, Social Media ist nur eine Art zu kommunizieren. Und es gilt das gleiche wie sonst auch: „wenn du nicht willst, dass negatives über dich ans Licht kommt, tu es nicht!“ (nicht ganz wörtliches Zitat von Franziska) Was ich persönlich aber anders mache als Franziska, ist, dass ich auch an den Rechner gehe, wenn ich mies drauf bin. Ich twitter auch, wenn mir etwas missfällt, wenn ich sauer bin. Aber das ist etwas, was jeder für sich entscheiden muss. So wie im Teil Social Media I schon gesagt wurde, Gedanken machen, vorher.

Liebe kleine Unternehmen, nutzt also bitte Social Media für den Dialog, nicht nur als zweiten, dritten oder vierten Kanal, auf dem die klassischen Printannoncen auch noch hinaus posaunt werden. Das will niemand lesen. Lasst euch helfen, von Leuten die sich zum Teil seit Jahren auf diesen Plattformen bewegen.

Und lieber Chef, wenn dir ein Marketer erzählen will,
dass man deine BIO-Produkte grün waschen muss,
setze ihn vor die Tür!

Online to Real Life

Eröffnung Bloggertreffen auf der BioFach 2012 Ich war hauptsächlich in Nürnberg, um Leute zu treffen und mich auszutauschen. Viele von unseren Lesern hier, Fans bei Facebook oder Followern bei Twitter „kenne“ ich nur aus dem Netz. Daher sind Treffen, wie das von Manja Rupprecht, Herwig Danzer und Michael Wenzl organisierte Bloggertreffen, eine wirklich großartige Möglichkeit die Menschen hinter den Nachhaltigkeitsblogs, hinter den teils anonymen Twitteraccounts endlich mal „in echt“ kennen zu Bloggertreffen auf der BioFach 2012 lernen. Vielen, vielen Dank für Euer Engagement, Eure Mühe und die geleistete Arbeit bei der Organisation.
Ich konnte in diesem Jahr wieder vielen interessanten Menschen begegnen, alten Bekannten wie Johannes Korten und neueren Bekannten wie Tine Felsberg. Etwa 40, in Worten vierzig, Blogger/Blogs waren dabei.
Somit habe ich demnächst viel zu lesen und werde hier demnächst eine Blogschau machen über die ich dann unter „Bloggen über Blogs“ berichte.

Rückfahrt

Nach einer Nacht in einem Hostelzimmer mit drei gut angetüdelten, polternden Letten, sie erwähnten heute kurz bevor ich das Zimmer verließ ihre Heimat, überlege ich im nächsten Jahr mal dieses Airbnb zu testen. Mal schauen, was Johannes Brehme, mit dem ich den Nachmittag gemeinsam Diskussionen und Hallen besuchte, so berichten kann. Er hat das wohl gestern Abend erstmalig getestet.
Der ICE ist fast in Hamburg und ich freue mich schon auf zu Hause. Und auf nächstes Jahr in Nürnberg, also vor allem auf das Bloggertreffen.

Dieser Beitrag wurde unter Veranstaltungen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.


3 Antworten auf Bummel über die BioFach 2012 und Bloggertreffen

  1. Danke für den aufschlussreichen Bericht, ich krieg ja selbst immer kaum was mit. Freu mich, wenn Du (spätestens!) nächstes Jahr wieder nach Franken kommst, ansonsten schau vorbei in Unterkrumbach.

  2. Danke für den tollen Bericht! Das persönliche Kennenlernen hat mich sehr ge- und erfreut.
    Meine Berichterstattung wird wohl noch bis nächste Woche dauern, da ich heute noch mal Kontakte auf der Messe pflegen werde.
    Solltest du in der Frankenmetropole sein, dann gerne auf ein Treffen 🙂

  3. Lisa sagt:

    Hallo Kay,

    Danke für den tollen Rückblick. Zur Podiumsdiskussion habe ich es leider nicht geschafft, insofern war es für mich richtig toll, dass Du die Veranstaltung noch mal zusammengefasst hast.

    Ich hoffe nächstes Jahr haben wir mehr Gelegenheit zu quatschen 🙂

    Liebe Grüße aus Augsburg,

    Lisa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *