(Bio)EnergieDörfer in Mecklenburg-Vorpommern

BioEnergieDorf Flyer An den letzten zwei Tagen war in Pasewalk, ganz im Osten unseres schönen Bundeslandes die dritte Tagung zum Thema (Bio)EnergieDörfer in Mecklenburg-Vorpommern. Vor etwa einem Jahr berichtete ich über das Marketingwort BIO-Haus. Im Gegensatz dazu ist (Bio)EnergieDorf, wie ich jetzt erfahren konnte, kein Blendwort. Nachhaltigkeit, Erzeugung von Primärenergie innerhalb der regionalen Wertschöpfungskette und vor allem Teilhabe der Bürger. Ca. 180 Teilnehmer, vornehmlich aus Kommunalverwaltungen haben sich zum dritten Mal über Möglichkeiten und den Weg zur energetischen Unabhängigkeit informiert. Eingeladen hatte die ANE.

Nachdem Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V) mit seinem Grußwort durch die Erwähnung bevorstehender Gesetzesänderungen vor allem die Gemeindevertreter unter den Teilnehmern begeisterte, wurden verschiedene Themen behandelt. Diese umfassten neben grundsätzlicher Projektvorstellung, Vorstellung des aktuellen Entwicklungsstandes und zukünftiger Zielsetzung auch ein paar Beispiele aus der Praxis und mögliche technische Maßnahmen zur Energieeinsparung.
Lars Prahler berichtete über die Erfahrungen aus der 11.000 Einwohner-Stadt Grevesmühlen und den seit 2006 bestehenden Verein “Stadt ohne WATT”. Man versuche stetig den Primärenergiebedarf zu senken und arbeite an eigenen Lösungen der Energieerzeugung. Schön fand ich, dass man in Grevesmühlen seit mehreren Jahren bei der Erstellung von Bebauungsplänen sehr genau auf die Nutzung regenerativer Energien achtet.
Nachdem am Freitag Abend sehr intensiv über Finanzierungsmöglichkeiten und geeignete Betreibermodelle für erneuerbare Energieanlagen in Kommunen diskutiert wurde, sprach sehr spannend Michael Thomalla vom Städte- und Gemeindetag aus seiner Sicht über die Chancen der Kommunen.

Der Samstag startete mit der Vorstellung des Leea Neustrelitz. Die Leea-Webseite ist zwar zur Zeit nicht erreichbar, aber das wird bestimmt noch.
Der Weg des Bioenergiedorfes Neuhof im Biosphärenreservat Schaalsee wurde von Florian Kienzle ausführlich beschrieben. Er ging aufschlussreich auf mögliche Hindernisse und deren Umschiffung bei Planung und Umsetzung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien ein. Auch andere Großprojekte der unmittelbaren Vergangenheit, die auf Grund mangelnder Kommunikation mit dem Bürger in Kritik geraten sind, wurden als Negativbeispiele erwähnt. Kommunikation und Information sind eben alles.

Dr. Olaf Schätzchen erläuterte für das ÜAZ eindrücklich, dass (Bio)EnergieDörfer für Gemeinden auch eine Chance sein können, Jugendliche, die sonst abwandern würden, durch das Bieten von beruflichen Perspektiven zu motivieren, hier zu bleiben.
Über Stoffkreisläufe und die nachhaltige Erzeugung von Bioenergie sprach Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der TU München. Für mich als Nicht-Landwirt waren in seinem Vortrag sehr viele nützliche Informationen enthalten. So z.B., dass Stroh einen sehr guten Energielieferanten darstellt. Auch, dass in der Humusschicht auf den Äckern viel Kohlenstoff durch organische Materialien gebunden ist. (Hätte ich auch durch Nachdenken drauf kommen können.) Wenn man nun zu viel Stroh von den Ackerflächen entnimmt, um daraus Energie zu gewinnen… wird der Kohlenstoffkreislauf gestört. Er sagte auch, die Viehwirtschaft hätte früher einen wichtigen Part im ländlichen Stoffkreislauf eingenommen. Seit in MV kaum noch Viehzucht betrieben wird, könnten Biogasanlagen deren Platz zum Teil einnehmen.
Abschließend wurden noch Einsparpotentiale der Gemeinden bei der Beleuchtung durch Einsatz von LED-Technik erläutert. Hierzu präsentierte die Lanz Manufaktur einige Modelle für die Straßenbeleuchtung. Bernd Göldner vom IfaS zeigte den Tagungsteilnehmern dann am Beispiel der Gemeinde Bollewick, wie viel Geld ein Dorf innerhalb von Jahren allein durch den Einsatz besserer Leuchtmittel einsparen kann. Dass aber durch den Einsatz von LEDs in der Straßenbeleuchtung allein in der kleinen Gemeinde Bollewick pro Jahr knapp 20 t CO2 weniger in die Atmosphäre geblasen werden, fand ich dann doch schon heftig.

In einer Pause am Freitag sprach ich mit dem Moderator der Veranstaltung Prof. Dr. Peter Adolphi. Ich brachte ein Wort in die Diskussion ein, das ich kürzlich in meiner Twitter-Timeline las. Es wäre schön, wenn man bei den positiven Seiteneffekten solcher Projekte von Kollateralnutzen sprechen würde. Er gab diesen Gedanken weiter, so dass ein Redner am Samstag mit Hinweis auf ihn Kollateralnutzen gebrauchte. Schön!

Fazit: Es war gut zu sehen, dass unsere gewählten Vertreter zumindest auf kommunaler Ebene versuchen, weiter zu denken als bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode.

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