Ich hatte am Wochenende die Gelegenheit, Herrn Dr. Franz Alt, das “ökologische Gewissen der Deutschen”, persönlich kennen zu lernen. Zwar leider nur sehr kurz – doch erst einmal zur Vorgeschichte.
Schon vor etwa einem Jahr war ich in Pasewalk bei der Konferenz “Bioenergiedörfer in Mecklenburg-Vorpommern. – Chancen für den ländlichen Raum durch Wertschöpfung und Teilhabe.” Als mich nun kürzlich eine Einladung für eine Folgeveranstaltung in Greifswald erreichte, freute ich mich sehr. Thema diesmal:
Wege zum (Bio)EnergieDorf. – Welche Bedeutung haben die (Bio)EnergieDörfer für die Energiewende in Mecklenburg-Vorpommern?
Die Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern lud in den großen Hörsaal der Universität Greifswald und in die Stadthalle Greifswald ein. Mit mehr als 150 Teilnehmern war die Veranstaltung sehr gut besucht. Die Anwesenden aus Regional- und Landespolitik sowie Vertreter aus Forschung und Wirtschaft waren hellwach (was auf solchen Symposien ja manchmal nicht der Fall ist) und gespannt auf die Vorträge und Möglichkeiten, die sich daraus für unsere Region ergeben.

Dr. Till Backhaus – Der Prozess der (Bio)EnergieDörfer in Mecklenburg-Vorpommern:
Rückblick, Ausblick, zukünftige Schwerpunkte der Ministerien.
Nach den Grußworten von Dr. Barbara Syrbe und Prof. Dr. Peter Adolphi sprach Dr. Till Backhaus über den bisherigen Weg der (Bio)EnergieDörfer und seine Verdienste um die Initiative. Er sprach darüber, dass seiner Meinung die Zukunft der Menschheit im ländlichen Raum liegt. Es ginge darum, den Erdball an zukünftige Generation so zu übergeben, ohne dass man sich schämen müßte. Wir hätten in unserem Bundesland derzeit 325 Biogasanlagen, die wohl bereits 470.000 Haushalte mit Strom und 85.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Nachdem dann mitten im Vortrag sein Telefon klingelte (schön, dass dies nicht immer nur im Publikum passiert
), ging er darauf ein, dass das EEG in seiner derzeitigen Form noch nicht ausgewogen ist und es 2012 diesbezüglich eine weitere Novelle geben wird. Dr. Backhaus würdigte, dass bereits 100 von den 545 Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern den Beschluß gefasst haben, zum (Bio)EnergieDorf zu werden. Er wies aber auch ausdrücklich darauf hin, dass die Wertschöpfung vor Ort nicht aus den Augen verloren werden darf. Es sei sehr wichtig, in allen Phasen, von der Planung über die Realisierung bis hin zum Betrieb, vor allem die Unternehmen, die Menschen in der Region einzubeziehen. Denn “was interessiert es EnBW, was wir davon haben.” Auf die Problematik “Teller oder Tank?” ging er auch noch ein. Für ihn stünden Lebensmittel klar im Vordergrund. In MV werden derzeit nur 17% der landwirtschaftlichen Fläche für die Gewinnung von Energiepflanzen genutzt. Dies waren in der Vergangenheit aber schon mal deutlich mehr. In der Zeit des “Hafermotors” vor etwa einhundert Jahren.
Prof. Dr. Peter Heck – Ergebnisse, Finanzierung, wie geht es weiter?
Im Anschluss an Dr. Till Backhaus Vortrag hielt Prof. Dr. Peter Heck sein Referat “Ergebnisse, Finanzierung, wie geht es weiter?”. Auch er betonte den überaus wichtigen Aspekt der sozialen Teilhabe. Ohne Teilhabe kein (Bio)EnergieDorf! Man müsse es in den Dörfern machen wie Yunus in Bangladesh. Er erörterte die Vorteile der Einrichtung und die Abläufe eines revolvierenden Fonds zur Finazierung.
Dr. Rainer Land – Die (Bio)EnergieDorf-Genossenschaft Mecklenburg-Vorpommern.
Grundlagen, Aufgaben, Leistungen.
Dr. Rainer Land erläuterte nach einer kleinen Kaffeepause die Vorzüge und die Notwendigkeit der Gründung einer gemeinsamen Genossenschaft zur Erfüllung von Aufgaben auf dem Weg zum und nach der “Errichtung” des (Bio)EnergieDorfes. Da einige kleine Gemeinden allein vor allem finanziell zu schwach wären, sei es sinnvoll, sich in Form einer Genossenschaft zusammen zu tun. Dies würde eine bessere Koordinierung ermöglichen und auch beratende, umsetzende Ingenieurbüros entlasten. Man könnte gemeinsam Standards für Verträge, Controlling, Vermarktung und andere Dienstleistungen entwickeln und nutzen.

Podiumsdiskussion: Welche Bedeutung haben die (Bio)EnergieDörfer für die Energiewende in Mecklenburg-Vorpommern?
Zu der von Prof. Dr. Peter Adolphi moderierten Podiumsdiskussion nahmen Dr. Rainer Land, Marcel Falk, Manfred Pitann, Rudolf Borchert und Prof. Dr. Peter Heck auf der Bühne Platz. Die fünf standen interessierten Bürgern, betroffenen Gemeindevertretern und Unternehmern Rede und Antwort zu der weiteren Vorgehensweise und zu Problemen bei der Förderung der Projekte. Der Bürgermeister der Gemeinde Stolpe, Marcel Falk, berichtete über den eher zufälligen Weg zum (Bio)EnergieDorf, als ein Investor ein paar Millionen in der dezentralen Energieerzeugung in einem Ortsteil von Stolpe unterbringen wollte. “Immer her mit dem Glücksritter!” Er verschwieg auch nicht, dass die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung weit zügiger unterstützte als z.B. das Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern. Dem Beifall nach konnten einige im Publikum diese Erfahrung teilen. Der Landtagsabgeordnete Rudolf Borchert bot an, im Falle von Problemen in Sachen Förderung gern vermitteln zu wollen.
Nach einigen Fragen, Kommentaren und Anregungen hatte der Alt Telliner Gemeindevertreter Olaf Spillner aus dem Publikum mit seiner Anmerkung bezüglich der Massentierhaltung das Schlußwortes vor dem gemeinsamen Abendessen. Er verwies auf entstehende und vorhandene Betriebe zur Massentierzucht und den Zusammenhang mit der Energiegewinnung aus Fekalien der Masttiere.
“Akzeptanzstellen für (Bio)EnergieDörfer dürfen keine Akzeptanzstellen für Massentierhaltung werden!”
Abendessen und Umzug in die Stadthalle Greifswald
Beim gemeinsamen Abendessen, diesmal auch mit einer vegetarischen Auswahl, hatte man nochmals die Möglichkeit für Gespräche. Hiermit war dann der Part im großen Hörsaal der Universität Greifswald für Freitag Abend beendet und es ging ab 19:00 Uhr in der Stadthalle Greifswald weiter. Da diese nur ein paar Minuten entfernt liegt, ging ich zusammen mit Prof. Adolphi zu Fuß dort hin. Ich sagte ihm auf dem Weg, wie positiv ich die Entwicklung des letzten Jahres sehe. Und dass ich mein Fazit des letzten Jahres gern erweitere: Es war gut zu sehen, dass unsere gewählten Vertreter zumindest auf kommunaler Ebene versuchen, weiter zu denken als bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode und gefasste Pläne auch anpacken und umsetzen!
Klimaspots der Internationalen Sommeruniversität
Da wir verkehrsbedingt noch einen Moment auf den Special Guest des Abends, Dr. Franz Alt, warten mußten, zeigte man zur Überbrückung noch drei wundervolle Spots zu Renewables und Energieeffizienz. Sie sind im Rahmen der Internationalen Sommeruniversität, einem Gemeinschaftsprojekt deutscher und chilenischen Universitäten und Bildungseinrichtungen, entstanden. Einer dieser Spots war dieser:
Dr. Franz Alt – Das ökologische Wirtschaftswunder. Arbeit und Wirtschaft im 21. Jahrhundert
Ich lese gerade “Gute Geschäfte” und kenne Dr. Franz Alt auch via Twitter. Daher ist mir auch die Sonnenseite wohl bekannt. Als ich die oben erwähnte Einladung las und ihn als den Gastredner entdeckte, freute ich mich um so mehr. Eventuell eine der seltenen Gelegenheiten den sehr viel reisenden persönlich kennen zu lernen.
Er begeisterte die Zuhörer mit seinen überaus überzeugenden Thesen “es gibt kein Energieproblem” und “es gibt kein Flächenproblem”. Er belegte diese auch anhand einfacher Beispiele. Das Gerücht zum Beispiel, es würden in Deutschland Automotoren kaputt gehen, würde man E10 tanken. 10% BioEthanol! In Brasilien fahren seit 30 Jahren Autos mit 100% BioEthanol und gehen nicht kaputt. Oder auch die oben erwähnte Thematik “Teller oder Tank?” Wir Deutschen werfen pro Jahr etwa die Hälfte der produzierten Lebensmittel einfach weg! Es gibt kein Flächenproblem!
Dr. Franz Alt – Das ökologische Wirtschaftswunder (Podcast)
Eigentlich nur für mich zum Nachbereiten habe ich mit meinem Diktiergerät den Vortrag mitgeschnitten. Nach seinem mitreißenden Vortrag habe ich mich bei Dr. Franz Alt bedankt. Ich fragte, ob es ihm Recht sei, wenn ich seinen Vortrag als MP3 online stelle. Natürlich eine halbwegs passable Qualität vorausgesetzt. Und … es lebe die Technik! Der Ton ist OK.
Von seiner Antwort war ich sehr beeindruckt. “Ja, klar. Natürlich. Kein Problem.” Wow!
Somit für euch, der Vortrag von Dr. Franz Alt als MP3 (ca. 1h 15min):
Jetzt online abspielen:








