Wie schon im vorigen Artikel geht es auch heute um Schokolade zu Weihnachten. Neben Alnatura haben wir auch einige andere Hersteller angeschrieben.
Mal ehrlich, wer kennt nicht die quadratischen Schokotafeln von Ritter Sport.
Daher und weil es auch BIO Schokoladen von Ritter Sport gibt, jedoch auf deren Webseite im Artikel Rohstoffe zu lesen ist, dass Sie auch von der Elfenbeinküste Kakao beziehen, fragten wir nach.
Liebe Familie Jarchow,
vielen Dank für Ihr Mail und dem damit verbundenen Interesse an Ritter Sport!
Um Ihnen ein genaues Bild zu geben welche Rolle und Position Ritter Sport zum Thema Kinderarbeit auf Kakaoplantagen einnimmt möchte ich Ihnen folgende Informationen geben:
Als ein in dritter Generation geführtes mittelständisches Familienunternehmen hat verantwortungsvolles Handeln für Mensch und Umwelt eine lange Tradition bei uns. Vor nunmehr 20 Jahren hat das Unternehmen ein Projekt für den Anbau von ökologischem Kakao in Nicaragua initiiert (CACAONICA) und seither mit rund 3 Mio. EUR unterstützt. Nicaragua zählte damals, wie auch heute, als ein Brennpunkt der Armut und sozialer Missstände.
Mit diesem Projekt werden die dortigen Kleinbauern mit fachlichem Know-How, Arbeitsgerätschaften als auch organisatorischem Know-How unterstützt. Seit den Anfängen 1990 hat sich unser Engagement weiter ausgedehnt. Damals wurde eine einzige Kooperative unterstützt, heute kaufen wir hochwertigen Kakao von rund 20 Kooperativen aus dem ganzen Land ein, den wir in einer 2008 eröffneten eigenen Station trocknen und lagern.
Wir bezahlen den in Kooperativen (Genossenschaften) organisierten Kleinbauern einen fairen Preis für ihre Kakaobohnen, der nicht zuletzt aufgrund der sehr hohen Qualität, über dem üblichen Weltmarktpreis liegt. Die auf mehrere Monate im Voraus festgelegten Preise sichern den Kleinbauern eine planbare und auskömmliche Lebensgrundlage, die so auch keinen Anlass zu Kinderarbeit gibt. Daneben profitiert von dieser Planbarkeit aber auch der Regenwald, denn für den Kakaoanbau muss kein Regenwald gerodet werden. Kakaobäume wachsen am Besten im Schutze großer Mutterbäume.
Aufgrund der großen Menge von uns benötigten Kakaos liegt der Prozentanteil dieses in Nicaragua angebauten Kakaos im leider immer noch niedrigen einstelligen Prozentbereichs. Dieser Anteil steigt jedoch stetig und das ist unser Ziel, daran arbeiten wir täglich.
Als Volumenhersteller kommen auch wir – leider – nicht umhin, aus der weltweit größten Kakaoanbauregion Westafrika Kakao zu beziehen. Unser Lieferant kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass sich in den sogenannten Westafrika-Partien auch Kakao aus der Elfenbeinküste befindet, was an sich unser Wunsch wäre. Da wir als mittelständisches Unternehmen aber nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, an verschiedenen Punkten der Welt mit Projekten wie CACAONICA in Nicaragua ansetzen zu können, versuchen wir über die Mitgliedschaft in Institutionen, sowie durch Verbandsarbeit soweit als möglich Einfluss auf lokalen Gegebenheiten zu nehmen. Ehrlicherweise muss man jedoch anfügen, dass auch deren Einflussnahme sehr begrenztist, zumal in einem Land wie der Elfenbeinküste, in dem bis vor kurzem Bürgerkrieg herrschte und Direktkontakte zu Produzenten nahezu unmöglich sind. Im Nachbarland Ghana, dem zweitgrößten Kakaoexporteur weltweit, sind unsere Einkäufer aber dabei, direkte Kontakte zu Genossenschaften aufzubauen. Wir beziehen aus verschiedenen Ländern der Welt (bzw. der Tropen, in denen Kakao wächst) darunter befinden sich Länder in denen höhere Sicherheit besteht, was die Lebens- und Arbeitsbedingungen anbetrifft, Regionen, in den wir unterstützend tätig sind, aber eben auch ein Bereich in dem das leider nicht zutrifft bwz. möglich ist. Die Lieferländer des Kakaos haben sich zwar zur Einhaltung der ILO Convention 182 verpflichtet, ob sie diese jedoch tatsächlich einhalten können wir leider nicht garantieren. Eine Überprüfung im Detail wäre für uns nicht möglich, daher auch unser Engagement in Nicaragua wo wir dies dann auch tatsächlich überprüfen können.
Ich hoffe Ihnen damit weitergeholfen zu haben. Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne wieder zur Verfügung!
Viele Grüße
i.A. Elke Dietrich
Wir möchten uns an dieser Stelle ganz, ganz herzlich für die offene und persönliche Antwort bedanken. Ritter Sport und uns selbst auch wünschen wir, dass ihnen bald überall eine Überprüfung im Detail, genau wie bei ihrem Engagement im CACAONICA Projekt in Nicaragua, möglich wird.
PS: Wir sind gespannt auf die nächsten Antworten der weiteren Hersteller.
Foto: © manwalk / PIXELIO









Der Ansatz der direkten Kooperation von Ritter Sport mit CACAONICA gefällt mir sehr gut. Bei meinem letzten Besuch in Nicaragua bin ich an der Kakao-Sammelstelle vorbeigefahren. Für meine nächste Reise nehme ich mir vor, die Kooperativen zu besuchen und kann dann direkt von dort berichten, wenn ihr möchtet!
Liebe Grüße, Martina
Einen “Insider” vor Ort zu haben und Informationen zu bekommen, die nicht in Werbeprospekten stehen, ist immer gut, um sich ein Bild zu machen. Also, liebe Martina: GERNE.
Lieber Kay,.
leider habe ich es bei unserem Trubel noch nicht geschafft, eine “Kakao-Entdeckungsreise” in Nicaragua zu machen. Doch ich habe in einem Produzentenmagazin von einem Projekt gelesen, das Kleinbauernfamilien dabei hilft, Kakao anzubauen und fairen Zugang zum Markt zu bekommen. Sie koennen sich damit einen sehr wichtigen Zusatzverdienst organisieren. Eine Abnehmerfirma dieser Kleinbauern ist laut dem Magazin Ritter Sport. Also ein soziales Plus! Ich erlebe hier, wie Projekte wie zertifizierter Fairer Handel, aber auch andere Kooperationen wie CACAONICA beim Wandel dieses Landes beitragen. Also: Esst faire Schokolade! (Und gebt mir bitte ein Stueck ab, denn hier gibt es leider keine so gute Schokolade…)
Soweit mein Eindruck. Ich melde mich, sobald ich mehr Informationen habe!
Liebe Gruesse, Martina
Wo ist bitte bei der Bio Ritter Sport ein Faitrade Siegel angebracht?
Und selbst wenn das so wäre; Das Unternehmen Ritter Sport ist genau wie Kraft (Milka, Toblerone …) Nestlé, Mars & Co. als Abnehmer von Kakao aus Kinderarbeit (‘Schmutzige Schokolade’) entlarvt worden und wird damit von mir BOYKOTTIERT!
Vielleicht mag es sich beim Bio Produkt bezüglich Kinderarbeit um eine Ausnahme handeln, und wohl auch als eine Ausnahme zur sonstigen Unternehmenspolitik… – das ist mir zu scheinheilig.
Ich will Ritter Sport nicht höher heben, als es steht. Aber halten wird mal dazu fest:
- das Engagement in Nicaragua ist evident und bestand schon lange bevor Bio überhaupt ein breiteres Thema war.
- Ritter Sport ist kein Major Player wie Nestlé oder Kraft – was Einschränkungen der Handlungsmöglichkeiten impliziert. (Ritter Sport gehört zu niemanden und hat neben der Ritter Solar GmbH auch selbst keine Tochterfirmen.)
Ritter Sport Bio ist trotz fehlendem Fairtrade-Siegel erwiesener Maße “fair” produziert. Im Ggs. zu Konzernen mit viel größeren finanziellen Ressourcen geben sie ihren Kunden die zumindest Möglichkeit an die Hand, sozialverträglich produziert Schokolade zu kaufen. Durch seine starke Präsenz in Supermärkten ist Ritter mit daran beteiligt ein stärkeres Konsumenten-Bewusstsein für biologisch produzierte Produkte zu schaffen. (Der Effekt mag für viele vernachlässigbar sein, er ist aber zweifelsfrei vorhanden und erfüllt auch eine Vorbildfunktion. Das geht überhaupt nur, WEIL Ritter nicht nur im Bioladen erhältlich ist.)
Zu erwarten, dass Ritter urplötzlich nur noch hochpreisige Bio-Schokolade anbietet bedeutet für Ritter Einbußen im Hauptmarkt, die nicht tragbar sein werden. (Quelle: Gesunder Menschenverstand.) Und zu glauben, dass die Käufer der “normalen” Ritter-Tafeln kollektiv auf einmal das doppelte für die Bio-Variante ausgeben wäre schon sehr naiv.
Ja, vielleicht könnte Ritter sich noch stärker in der Richtung engagieren, ohne dabei finanziell Seppuku zu begehen. Ob und wie stark weiß man aber nunmal nicht. Auch Du nicht, sedmikraska.
Ja, ich mag Ritter. Ist nunmal für mich eine vergleichsweise glaubwürdige Firma. Liegt neben ein paar recherchierten Artikeln nicht zuletzt an deren Blog und ihrer Kommunikationsbereitschaft. (Sieht man ja auch an der hier veröffentlichten Antwort.) Klar, die Aussagen muss man beim Lesen um das unumgänglich PR-Geschwurbel bereinigen. Aber weit weniger, als anderswo. Wenn auch nur zwischen den Zeilen, gibt Ritter indirekt selbst zu, dass sie in ihren “normalen” Tafeln Kakao aus Kinderarbeit benutzen. Das ist schonmal mehr, als das “uns doch egal”, was man sonst zwischen den (Leer)Zeilen findet.
Im Unterschied zu anderen Firmen nehme ich Ritter auch ab, dass bei denen ein ehrliches und nicht nur monetäres Interesse daran besteht, dass zu ändern. Ich kaufe meine Schokolade auf jeden Fall lieber dort, als eben von einem Megakonzern. Dass die BIO-Schoki von Ritter verdammt lecker ist, macht die Sache umso einfacher. Und nein, ich fange jetzt nicht an wegen Schokolade alle zwei Tage in einen Bioladen zu rennen.
Noch ein (älterer) Link zum Thema: .http://www.taz.de/!13327/
(Das Portrait ist mir persönlich zwar etwas zu positiv gefärbt, “alles Quatsch” wird’s dennoch kaum sein.)
Ich bin Online-Händler und habe meinen Kunden Ritter Sport Minitäfelchen als kleines Dankeschön in die Sendung gelegt… bis ich einen Bericht über Kinderarbeit an der Elfenbeinküste gesehen habe (der ging unter die Haut). Den oben abgebildeten Standardbrief habe auch ich erhalten. Er wird zu diesem Thema bereits seit einigen Jahren von Ritter Sport versendet.
Seitdem boykottiere ich die Schokoladenprodukte aller Massenhersteller und natürlich gehört auch Ritter Sport für mich dazu. Es ist auch scheinheilig, sich in oben genanntem Brief sich zunächst als Volumenhersteller zu outen und dann zu meinen, dass man keinen Einfluss in entsprechenden Gremien hat.
Für mich macht es sich Ritter Sport zu einfach, sich hinter einem Bio-Siegel zu verstecken. Die anderen Hersteller a la Nestlé sind noch schlimmer und blenden die Problematik komplett aus (die Marke “Kinderschokolade” erscheint mit dem Wissen um Kinderarbeit in einem ganz anderen Licht).
Ich versende nun lieber GEPA Schokolade oder Gewürzmischungen vom Sonnentor.
Laut Fachliteratur, die mir vorliegt, werden 42% der Kosten des Projektes von der Alfred Ritter GmbH & co. KG getragen, 34% der Kosten von der GIZ und 24% übernimmt die lokale Organisation. Ich frage mich, warum die Ritter GmbH Unterstützung benötigt.